Die 112 verbindet alle Hilfsorganisationen

Der Tag des Notrufs in Lohr (Bild: Sebastian Löber)

Der Tag des Notrufs in Lohr (Bild: Sebastian Löber)

Die Aktion zum Tag des Notrufs der lohrer Hilfsorganisationen

Eine Notfallsituation kann immer und überall entstehen. Schnelle Hilfe ist meistens geboten. Daher garantiert die Notrufnummer „112“, seit 25 Jahren in ganz Europa, schnelle Hilfe.
Zum Tag des Notrufes am 11.Februar (11.2) luden die Hilfsorganisationen aus dem Landkreis Main-Spessart und die Björn-Steiger-Stiftung, zu einer große Aktion mit dem Charakter eines „Flashmobs“ ein.
Ziel der Aktion ist es, über den Notruf zu informieren.

Zur Feierabendstunde bricht plötzlich eine Passantin auf dem Marktplatz vor dem alten lohrer Rathaus zusammen. Schnell sind Ersthelfer da und wissen, dass Sie Hilfe über Telefon rufen müssen.

Der Notruf ist eines der wichtigsten Glieder der Rettungskette (Bild: Jonas Pröschel)

Der Notruf ist eines der wichtigsten Glieder der Rettungskette (Bild: Jonas Pröschel)

Das Gespräch ist auf dem gesamten Marktplatz, über Lautsprecher zu hören. Der Leitstellendisponent erfragt die wichtigsten Daten zum Vorfall und leitet die Helfer an, wie sie weiter helfen können. Beruhigend erklärt er, dass professionelle Hilfe unterwegs ist.

 

Unter den erklärenden Worten, des Kreisgeschäftsführers des Bayrischen Roten Kreuzes in Main Spessart – Thomas Schlott – erleben die anwesenden Zuschauer wie die Rettungskette wirkt.

Im Mittelpunkt hierbei stehen die „5 W-Fragen“ die beim Absetzten eines Notruf wichtig sind:
– Wer ruft an?
– Wo ist was passiert?
– Was ist passiert?
– Wie viele Verletzte?
– Welche Art von Verletzungen?
– Warten auf Rückfragen!

In der Zwischenzeit kümmert sich einer der Ersthelfer um die Frau, während die zweite Helferin einen automatischen Defibrillator, kurz AED, aus einer nahegelegenen Bank holt. Mit einem solchen Gerät können auch Laien im Falle eines Herzstillstandes Leben retten. Falsch machen kann bei der Bedienung eines solchen AEDs nichts, da die Geräte den Helfer durch Sprachansagen anleiten und über diverse Sicherheitsfunktionen verfügen. Diese Defibrillatoren finden häufig an öffentlichen Plätzen wie Banken, Bahnhöfen und Geschäften und sind mit einem grünen Schild gekennzeichnet, auf dem ein weißes Herz mit einem Blitz abgebildet ist.

Der HvO Lohrtal trifft als erstes Rettungsmittel ein (Bild: Ernst Huber)

Der HvO Lohrtal trifft als erstes Rettungsmittel ein (Bild: Ernst Huber)

Nach wenigen Minuten trifft die „Helfer vor Ort“ -Einheit der Bergwacht Frammersbach ein, die sofort die Versorgung der Frau übernimmt.
Das Helfer-Vor-Ort-Prinzip ist eine große und wichtige Unterstützung für den Rettungsdienst und wird komplett kostenfrei angeboten, auch die Krankenkassen finanzieren hier nicht mit.

Weitere Standorte im Landkreis werden von der Feuerwehr in Oberndorf, Retzbach und bald Ruppertshütten, vom Malteser-Hilfsdienst in Rothenfels und vom Bayerischen Roten Kreuz in Lohr, Steinfeld, Marktheidenfeld, Homburg, Karlstadt und Fellen und eben von der Bergwacht in Frammersbach gestellt.

Nach wenigen Minuten trifft auch der Rettungswagen der Unterstützungsgruppe Rettungsdienst der BRK-Bereitschaft Lohr ein, der den Transport der Patientin, in eine geeignete Klinik übernehmen kann.
Dieses zusätzlich Angebot zum regulären Rettungsdienst wird von den BRK-Bereitschaften Karlstadt, Marktheidenfeld und Lohr ehrenamtlich an.

Der Rettungswagen der UG-Rett des BRK-Lohr kommt ebenfalls zu Hilfe (Bild: Marcel Wiesner)

Der Rettungswagen der UG-Rett des BRK-Lohr kommt ebenfalls zu Hilfe (Bild: Marcel Wiesner)

Zum Einsatz kommen sie, wenn der reguläre Rettungsdienst ausgelastet ist und eine schnelle Hilfe nicht mehr gewährleistet werden kann. So steht mit Hilfe der Ehrenamtlichen, ein vollwertig einsatzklarer Rettungswagen oder Notfallkrankenwagen mit der entsprechend Qualifizierten Besatzung zur Verfügung.

Die Aktion wurde dann noch abgerundet von einem Gruppenbild mit den Einsatzkräften von THW, Feuerwehr, ASB, Wasserwacht, Bergwacht und BRK-Bereitschaften.
So wurde nochmal gezeigt, dass die Notrufnummer 112 alle Hilfsorganisationen verbindet und eine gute Zusammenarbeit unabdingbar ist.

112 Das ist die Zahl die alle verbindet (Bild: Jonas Pöschel)

112 Das ist die Zahl die alle verbindet (Bild: Jonas Pöschel)

Zusammen mit vielen Helfern, sowie zwei Drohnen-Piloten und einem Team der Björn-Steiger-Stiftung wurde ein Youtube Film zusammengestellt, der die Aktion sehr gut wieder gibt.

Initiiert wurde diese Aktion von den Jugendgruppen der Jugendfeuerwehr und Jugendrotkreuz. Mit Zusammenarbeit der Björn-Steiger-Stiftung und den Hilfsorganisationen wurde diese Aktion innerhalb von drei Wochen auf die Beine gestellt, so mag man es verzeihen, wenn nicht alles reibungslos gelaufen ist.

Für den Bericht: Johannes Seith


Hintergrund:

Noch immer wissen viel zu wenige Menschen in Europa, welche Telefonnummer sie im Notfall wählen müssen. Um den Bekanntheitsgrad der europaweiten Notrufnummer zu erhöhen, wurde der 11.Februar zum Europäischen Tag des Notrufs erklärt.
björnsteigerstiftung
Europaweit ist mittlerweile die Rufnummer 112 überall kostenlos und vorwahlfrei nutzbar.
Die Björn-Steiger-Stiftung setzt sich dafür ein, dass diese Nummer weithin bekannt wird und richtig und unkompliziert genutzt werden kann.

Anrufe aus Main-Spessart gehen üblicherweise in der Integrierten Leitstelle in Würzburg ein. Der Leitstellenbereich Würzburg umfasst die Landkreise Kitzingen, Würzburg Stadt und Land und Main-Spessart.

Im Leitstellenbereich Würzburg laufen täglich durchschnittlich ca.300 Anrufe unter der „112“ auf. Überwiegend sind es Aufgaben für den Rettungsdienst. Zu 1/5 der Notrufe kommen auch die Feuerwehren hinzu.
Die Einheiten des Katastrophenschutzes werden zu größeren Ereignissen mit alarmiert.
Jedoch sind leider ca.3% der Anrufe Missbrauchsfälle des Notrufes.

Am meisten wird an Silvester die Hilfe vom Notruf erwartet. Dann kommen die meisten Anrufe in der Leitstelle an. Daher können zu Stoßzeiten die standardmäßige Zahl von 5 Disponenten auf 16 erweitert werden.
Bei Großlagen und im Katastrophenfall, können dann auch noch weitere mobile Einheiten vor Ort, die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften koordinieren.

Der Anruf ist sowohl über Festnetz- wie auch über Mobiltelefon kostenfrei. Der Anruf kann bei vielen Mobiltelefonen auch im gesperrten Zustand, gewählt werden. Es muss jedoch immer eine SIM-Karte im Handy vorhanden sein, damit die Rettungskräfte den Anrufer Zurückrufen können.
Auch wenn die Rufnummer auf dem Telefon unterdrückt wird, ist ein Rückruf über die Leitstelle möglich. Oft ist dies auch nötig, da die Einsatzkräfte weitere wichtige Informationen beim Anrufer erfragen müssen.

Eine genaue Ortung von Mobiltelefonen von den Einsatzkräften, ist aus Datenschutzgründen nicht möglich. Jedoch kann bestimmt werden, aus welcher Mobilfunkzelle des jeweiligen Telekomunikations-Anbieters, der Notruf kam. Somit kann ein Bereich von wenigen Kilometern abgegrenzt werden.

Der Notruf ist auch über Fax möglich. Entsprechende Formulare gibt es auf der Homepage des Innenministeriums, der Integrierten Leitstelle oder der Björn-Steiger-Stiftung zum Herunterladen. Dies ist für gehörlose Mitbürger enorm wichtig.

Die alte Rufnummer des Rettungsdienstes „19222“ ist in Main-Spessart nur noch mit Würzburger Vorwahl erreichbar und sollte auch nur für Krankentransporte oder geplante Einsätze gerufen werden. Anrufe auf dieser Nummer werden nicht mehr als Notrufe bearbeitet.

Wählt man die Notrufnummer der Polizei „110“ kommt auch hier Hilfe von Rettungsdienst und Feuerwehr, jedoch kann es hier zu Verzögerungen kommen. Denn der Notruf muss erst noch von der Polizeileitstelle an die Integrierte Leitstelle weitergeleitet werden, bevor die Einsatzkräfte alarmiert werden können.

In öffentlichen Gebäuden, Schulen, Märkten, Hotels oder Industrieanlagen, aber auch in Wohnungen von Senioren oder körperlich hilfsbedürftigen Personen, sind oftmals ebenfalls Meldeknöpfe oder automatische Meldeanlagen vorhanden, die einen Notruf direkt zur Leitstelle oder zu einer Servicezentrale schicken können. Da hier eine Lagemeldung vor Ort durch einen Anrufer fehlt, muss immer mit einer echten Notfallsituation gerechnet werden. Daher fährt zum Beispiel bei einer ausgelösten Brandmeldeanlage immer ein kompletter Löschzug an, auch wenn es sich wieder mal um einen Fehlalarm handelt.

Missbrauch des Notrufs kann hohe Strafen nach sich ziehen. Auch im Spaß getätigte Anrufe oder ausgelöste Meldeknöpfe können bewirken, dass echte Notfälle nicht rechtzeitig bearbeitet werden, da die Rettungskräfte mit dem falschen Notruf beschäftigt sind.


Im Landkreis Main-Spessart steht rund um die Uhr eine Vielzahl von Einsatzkräften zur Verfügung.

THW, Feuerwehr, ASB, Malteser, Wasserwacht, Bergwacht und die BRK-Bereitschaften, stellen die Sicherheit der Bevölkerung in Main-Spessart sicher. (Bild: Ernst Huber)

THW, Feuerwehr, ASB, Malteser, Wasserwacht, Bergwacht und die BRK-Bereitschaften, stellen die Sicherheit der Bevölkerung in Main-Spessart sicher. (Bild: Ernst Huber)

So können im Bedarfsfall die 117 freiwillige Feuerwehren und vier Werkfeuerwehren im Landkreis mit insgesamt ca.5000 Einsatzkräften alarmiert werden. Diese sind alle Ehrenamtlich. Es gibt im Landkreis keine Berufsfeuerwehr. Die geringe Anzahl der bezahlten Feuerwehrleute, zum Beispiel in den Werkfeuerwehren, sind eigentlich für den Schutz ihres Betriebs und der Instandhaltung der Feuerwehrgeräte zuständig und können den Brandschutz in der Umgebung nicht leisten. Allenfalls können sie diesen nur unterstützen.

Die Feuerwehren kümmern sich jedoch schon lange nicht mehr nur um den Brandschutz allein. So kommen Sie inzwischen tagtäglich zum Einsatz: um verunfallte Verkehrsteilnehmer aus Ihren Fahrzeugen zu befreien; auslaufendes Gefahrgut und gefährliche Stoffe einzudämmen; den Rettungsdienst bei der Traghilfe von Patienten zu unterstützen; eilige Türöffnungen vorzunehmen; Insekten an kritischen Orten umzusiedeln; Verkehrsteilnehmer vor Ölspuren oder herabgefallene Bäume und Äste zu warnen und zu schützen; mit Wasser vollgelaufene Keller aus zu pumpen und vieles, vieles mehr.

Die Feuerwehren stellen die größte Zahl an Helfern (Bild: Ernst Huber)

Die Feuerwehren stellen die größte Zahl an Helfern (Bild: Ernst Huber)

Das Retten, Schützen, Löschen und technische Hilfeleistung ist inzwischen so vielfältig geworden, dass sich einzelne Fachgruppen der Feuerwehr bereits spezialisiert haben.

Auf den 6 Rettungswachen des Roten Kreuzes sind 85 hauptamtliche Einsatzkräfte im Rettungsdienst tätig, diese werden durch unzähligen Ehrenamtliche in Ihrer Arbeit begleitet und entlastet.
Zur Unterstützung können zusätzlich die ehrenamtlich Sanitätskräfte vom Arbeiter-Samariter-Bund, den Maltesern und dem Bayerischen-Roten-Kreuz herangeholt werden.

So unterhält der ASB in Main-Spessart eine Hundestaffel mit 45 Einsatzkräfte und 23 Rettungshunden.
Die Malteser Unfallhilfe betreibt eine Ortsgruppe in Lohr-Rothenfels mit 15 Einsatzkräften.
Das BRK kann durch die Aktivierung ihrer 26 Bereitschaften mit ca.950 Mitgliedern, 8 Wasserwachten mit ca.1100 Mitglieder und der Bergwacht in Frammersbach mit 15 Einsatzkräften, ebenfalls geballt in Main-Spessart auftreten.
Die Wasserwacht kann so mit den 3 Schnelleinsatzgruppe Wasserrettung ca.45 Einsatzkräfte bieten.
Die BRK-Bereitschaften können mit 13 Schnelleinsatzgruppen in den Fachrichtungen Betreuung, Behandlung, Verpflegung, Technik&Sicherheit, Information&Kommunikation, Gefährliche Stoffe&Güter, Rettungshunde, Kradstaffel, Suchdienst, Psychosozial Notfallversorgung und Transport, sowie den Unterstützungsgruppen Rettungsdienst und den Helfer-Vor-Ort Gruppen, insgesamt ca.200 Einsatzkräfte und 4 Rettungshunde kommen lassen.

Das THW kann anspruchsvolle technische Hilfe lsieten (Bild: Marcel Wiesner)

Das THW kann anspruchsvolle technische Hilfe lsieten (Bild: Marcel Wiesner)

Zur technischen Hilfe in Main-Spessart stehen vom Technischen Hilfswerk ca.1100 Einsatzkräfte aus dem Geschäftsbereich Karlstadt parat. Sie kommen zum Einsatz, wenn schweres Gerät oder anspruchsvolle technische Hilfsmaßnahmen benötigt werden. Aber auch bei Verkehrsunfällen sind Sie mit der Rettung vertraut und machen regelmäßig auf der Autobahn ihren Dienst.

Das ehrenamtliche Engagement der Helfer ist enorm. Oftmals sind Einzelne um die 50 Stunden pro Woche nur für ihre Organisation unterwegs. Denn sie leisten ihre Arbeit nicht nur bei Einsätzen, sondern auch bei Ausbildung, Kameradschaft, Jugendarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Materialpflege.

Und dies leisten Sie neben ihrem eigentlichen Leben mit Familie und Beruf.
Vielen Dank und großen Respekt davor!